Rente – Zukunftsvisionen für 40 Jahre

Veröffentlicht am 20.06.2017 in Allgemein

Das Podium: Gabriele Schink-Stolz, Thomas Utz, Max Czipf

Fragen und Überlegungen zur Rente - Rege Diskussion im Freiberger Prisma

Freibergs Sozialdemokraten hatten den Jugendsekretär der IG Metall Esslingen, Max Czipf, und unseren Bundestagskandidaten Thomas Utz zu Gast. Vor über 30 Interessenten stellte Utz stellvertretend für die verhinderte Anne Rentz die Grundzüge unseres Rentensystems vor. Besonderes Augenmerk galt dabei den Entgeltpunkten, die für die tatsächliche Rentenhöhe entscheidender sind als die statistische, abstrakte Größe Rentenniveau. Czipf stellte klar, dass das deutsche System der Umlagenfinanzierung im Prinzip krisenfest und flexibel ist; die Rente als solche sei sicher. Er erklärte das System mit einem großen Topf, in den genau das an Beiträgen hineinfließt, was zugleich als Renten verteilt wird. Dennoch gibt es Schwächen wie die Fixierung auf Beitrags- statt Leistungsstabilität und die nachgelagerte Besteuerung samt Sozialabgaben auf die Rente. Die Diskussion führte rasch auf die Notwendigkeit, die Grundlagen der Rentenversicherung zu erweitern. Utz will bei Selbstständigen anfangen, zum jetzigen Zeitpunkt aber die Beamten noch außen vor lassen. Die private Vorsorge wird von beiden Referenten als überflüssig und zu teuer gesehen. Die 4% Eigenbeitrag wären besser in der gesetzlichen Versicherung angelegt, zumal auch die Steuerzuschüsse für Riester- und ähnliche Renten dem großen Topf zugeschlagen werden sollen. Die dritte Säule Betriebsrente ist gerade nach der aktuellen Reform ein Steuersparmodell für Unternehmen; eine neue SPD-Regierung hätte den Auftrag, eine wirklich solide Basis herzustellen. Betriebsrenten sollten auch von Unternehmerseite nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Zeichen der Wertschätzung der eigenen MitarbeiterInnen. Ein allgemeiner Kritikpunkt ist ferner, dass die Diskussion und auch Gesetzgebung zu sehr auf den männlichen Industriearbeiter in Vollzeit abhebt. Weder Berufe des Dienstleistungssektors noch Frauen, besonders mit Kindern, werden hinreichend beachtet. Hier greift auch das Konzept der Produktivitätssteigerung, die sich in der Rente niederschlagen sollte, nicht. Utz stellt darüber hinaus die Grundsatzfrage, wie unsere Arbeitswelt in 20 oder noch mehr Jahren aussieht. Die Digitalisierung, Industrie 4.0 oder gar 5.0, weiterhin unsichere Zeit-Arbeitsverhältnisse sind zu betrachten; die Frage ist: Was ist Arbeit? Das Denken bei der Rente muss über die aktuellen Stichworte hinausgehen, „Maschinensteuer“ oder auch bedingungsloses Grundeinkommen könnten radikale Veränderungen bewirken. In ihren Schlussworten beharrte Utz auf dem Primat der Politik, die kleine Schritte in die richtige Richtung mache, während Czipf sich als kritischer Begleiter eines zu zaghaften SPD-Programms bekannte.

 

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